„Weniger Verkehr“ meint Dr. Karin Widmayer

 

Normalerweise würde ich mich – wie viele andere Menschen auch – an diesem langen Himmelfahrtswochenende aufmachen, um irgendwo einen Kurzurlaub zu verbringen.

Der Verkehr auf den Straßen wäre fürchterlich, die Staus ewig lang. Unter normalen Umständen bliebe es so, jedes Wochenende bis zum Ende des Sommers. Aufgrund der Corona-Kontaktsperren und -Reisebeschränkungen gibt es diese Staus im Moment nicht. Natürlich will auch ich schnell alle Freiheiten wieder zurück haben, und die Menschen sollen ihrer Arbeit und Freizeit unbeschränkt nachgehen, die Wirtschaft soll wieder voll funktionieren.
Allein: Das Verkehrsaufkommen auf den Straßen könnte gern auf niedrigerem Niveau verbleiben!
In der Krise wird auch augenfällig, wie viel Platz der ruhende Verkehr einnimmt.

Ich würde lieber spielende Kinder in den Einfahrten sehen als stehende Autos. Nicht zuletzt die Gastronomie könnte aktuell den zugeparkten Platz im Freien brauchen. Ein Blick in die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes zeigt, dass wir zum 1. Januar 2020 eine Fahrzeugdichte von 701 KFZ je 1000 Einwohner in Deutschland haben. Der Wert stieg in den letzten Jahren jährlich um 1 bis 2 Prozent, bei gleichzeitig zunehmender Urbanisierung, also steigendem Anteil der Stadtbewohner/innen.
Diese Fahrzeugdichte macht uns nicht mobiler, sondern schränkt unser aller Leben ein.
Es verteuert das Wohnen und gefährdet unsere Gesundheit. Das kann so nicht weitergehen!

Im Moment schauen wir auf die Corona-Reproduktionszahl R und lernen mit individuellen und kollektiven Maßnahmen, diesen Wert möglichst weit unter 1 zu halten.
Der Weg ist unfreiwillig und hart, die Folgen schmerzhaft, und wir machen sicherlich Fehler dabei.

Ich wäre sehr dafür, zukünftig auch die Zahl F, Fahrzeuge pro Einwohner, möglichst weit unter 1 zu drücken. Der Weg zur Mobilität ohne eigenes KFZ in Ballungsräumen ist bekannt:
Den Schienenverkehr ertüchtigen (längst überfällig), kollektive Nutzungsformen von KFZ erlernen und die Radinfrastruktur ausbauen.

In Tübingen werden drei Radbrücken gebaut, die die Nord-Süd-Verbindung erleichtern werden.
Ich freue mich schon darauf, über diese Brücken zu radeln!

20. Mai 2020

 

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